Seit dem Ausbruch des Karikaturenstreits und angesichts der Fronten, die sich damals bildeten, wurde ich zum Verschwörungstheoretiker. Es hatte sich, so begriff ich, zwischen den Mullahs und Ayatollas, dem Papst und deutschen Intellektuellen (Habermas) ein Bündnis gebildet, von dessen Adhäsionsskraft ich mir vorher keine Vorstellung hatte machen können. Der ehemalige Teufel und Erzfeind Mohammed war “beleidigt” worden, und schon sprang der Vatikan den beleidigten Gläubigen zur Seite. Habermas, irgendwann mal aus dem Nebel des Neo-Marxismus auftaucht, beriet mit dem Papst darüber, wie ein postsäkulares Zeitalter einzuleiten sei, worin die Religion wieder mehr zu sagen haben würde. Und jetzt reiht sich in diese Flanke des Bündnisses – Künstler und Intellektuelle – der Büchnerpreisträger Martin Mosebach mit einem wahrhaft furchterregenden Beitrag ein.

Der anerkannte seriöse amerikanische Autor Nicholson Baker hat – wenn wir den Kritikern glauben dürfen – einen “pornographischen” Roman veröffentlicht: “Haus der Löcher”. Es gibt unter den Rezensenten welche, die halten schon den Titel für pornographisch, so etwa die “Kulturzeit”-Moderatorin in 3sat. Sie wissen auch, daß Baker Wiederholungstäter ist. Vor Jahren schrieb er ein Buch über Telefonsex (“Vox”) und eins über jemand, der die Gabe hat, die Zeit anzuhalten, um mit Hilfe seiner Pausentaste voyeuristische Studien zu betreiben (“Die Fermate”).