Kürzlich war ich mit Freunden in der Oper. Mag gab “Don Giovanni”. Eine Freundin bekannte sich anschließend dazu, in dem skrupellosen Verführer, dem als Über-Macho berüchtigten Spanier Don Juan ein Pendant gefunden zu haben. Sie verstand ihn als “schönes, wildes Tier”, wohl in Erinnerung an Wedekinds Drama “Erdgeist” , in dessen Prolog ein Tierbändiger sein Publikum anheizt mit den Worten: “Das wahre Tier, das wilde schöne Tier, das – meine Damen! – sehn sie nur bei mir.” Solch ein Tier erblickte die Freundin bewundernd in Don Juan in all seiner – wie sie es verstand – “Naturhaftigkeit”. Für Wedekind und seit Jahrtausenden für die meisten seiner Vorgänger ist aber dieses Tier – eine Frau. Im “Erdgeist” heißt sie Lulu und agiert als Verderberin aller Männer, ehe sie am Ende von Jack the Ripper aufgeschlitzt wird. Das ist dann ihre Höllenfahrt.

Zu Friedrich Schillers Zeiten war es offenkundig nicht einfach, Freunde zu finden. Fand man einen, war dies ein “großer Wurf”, also etwas Seltenes wie ein Jackpot-Gewinn. So wie auch das Erringen eines “holden Weibes”. Heute wachsen für jeden auf der ganzen Welt hunderte, ja tausende von Freunden beiderlei Geschlechts in den Gefilden des Internets, so daß man sich ihrer kaum noch erwehren kann. Man muß sich nur anmelden und ein paar Daten preisgeben. Soviel zu Freundes-Inflation. Es gibt aber durchaus noch Diskreteres, Intimeres im Bereich der Freundschaft auch in den Medien zu beobachten.