Da liegt sie nun wie ein toter Wal, die “Costa Concordia”, könnte symbolischer gar nicht erfunden werden etwa von einem Caspar David Friedrich, der einst die im Eismeer zerschellte “Hoffnung” so grandios in Szene gesetzt hatte. Ich las in einer Zeitung, der weiße Riese symbolisiere das System Berlusconi (wieder er!) oder gar das System der italienischen Mafiokratie. Na, vielleicht doch das Modell “Europa” als gestrandete “Hoffnung”? Auch die Europäer waren einmal im Geiste alle Kölner gewesen und hatten ihre Gemeinschaft auf der Kölner Spruchweisheit gegründet: Et het noch immer jotjejange. Dann waren sie losgesegelt mit Gottvertrauen, was nach der Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges im 20. Jahrhundert ja nun wirklich “alternativlos” war, um ausnahmsweise ein Unwort zu zitieren. Also nichts gegen den Grundgedanken an dieser exponierten Stelle. Aber Europa segelte, anfangs überaus erfolgreich, quasi angeschoben vom Wind des Kapitals oder – um das Bild überzustrapazieren – von der unsichtbaren Hand des seligen Adam Smith, bis aus dem Passat die tückischen Scherwinde der Finanzkrise wurden und aus der unsichtbaren Hand die sichtbare Gier der Märkte. Und jetzt kommt – etwas gequält künstlich, gebe ich zu! – das ins Spiel, was bei der Vergnügungsfahrt des Lustschiffes wohl zur Havarie führte: das männliche Hormon Testosteron. Dessen Wirkung war ja schon bei den Finanzjongleuren als verursachend für riskante Manöver ins Spielg gebracht worden, und eben dieses Hormon mag bei Signor Francesco Schettino, dem Kapitän, im Übermaß vorhanden gewesen sein. Er wollte den Leuten an Land zeigen, wie groß, wahrhaft titanisch Seiner ist und wie virtuos er mit ihm operieren kann, als wollte er das arme Inselchen – nur zum Schein natürlich, haha! – penetrieren.  Dieser Kapitän ist also auch als Produkt der Ära Berlusconi  zu begreifen, dessen politischer Treibstoff ja als eben jenes Hormon identifiziert wurde, bis die staatlichen Testikel nicht mehr genug davon produzierten. Bei Franceso hatte es noch gereicht, aber dann … bumm! Nun hat der Titan des Kapitäns eine gewaltige Schramme, und wir alle schauen auf das symbolische Schauspiel und fragen uns, welches Titelbild wohl das Buch über den “Untergang Europas” zieren wird.