In vielen Bereichen haben Computer inzwischen die Bestimmung über unser Handeln weitgehend übernommen. Wenn das Navi mit säuselnder Stimme uns den Weg weist, setzen wir brav den Blinker – gerne auch mal gegen unsere Intuition oder die öffentliche Beschilderung. Ebenso überstimmt oft der morgendliche Blick auf die Wetter-App jeglichen vernunftgetriebenen Blick auf den Wolkenhimmel. Vom Taschenrechner ganz zu schweigen. Wieso also nicht auf den Computer vertrauen, wenn es um die nicht ganz unwesentliche Frage nach der Existenz Gottes geht?! Das jedenfalls dachten sich Forscher der Freien Universität Berlin und der TU Wien (s. Link unten) und implementierten (Fachbegriff für “programmieren”) und bestätigten damit den Ontologischen Gottesbeweis von Kurt Gödel.

Gestern war ich im Kino. Es war voll bis zum letzten Platz der ersten Reihe. Es ging um Sex. In den 50er Jahren gab es mal einen Film über Fortpflanzung und Geburt, irgendwie also auch über Sex, und da hatte man, mitten in einer westdeutschen Stadt, ein Seil der Länge nach durch den rappelvollen Zuschauerraum gespannt, um die Geschlechter zu trennen. Drastische Geschlechter- Apartheid. Befürchtet wurde offenbar, daß Männer und Frauen angesichts einer blutigen (schwarz-weißen) Geburt übereinander herfallen würden. Daraus ließ sich einiges schließen auf die Phantasie derer, die auf die islamisch anmutende Seil-Trennungs-Idee gekommen waren, ohne etwas vom Islam zu wissen. Gerade mal etwas mehr als 50 Jahre trennen also nur die das Verhältnis der Geschlechter ordnenden Regeln in der christlichen Bundesrepublik Adenauers von den sehr ähnlichen eines islamischen Gottesstaates heute.

“Brüderlein und Schwesterlein wollen alle wir sein”, heißt es in der “Fledermaus”, einer immer noch äußerst populären Johann-Strauß-Operette aus dem Jahr 1874. Wenn man drüber nachdenkt - ein revolutionärer Text. Sieben Jahrzehnte zuvor (1805) hatte Schiller noch die “Schwestern” außen vor gelassen und bekanntlich gedichtet: “Alle (!) Menschen werden Brüder”. Wir, die durch Freud Gewitzten, wissen, daß jeder offensichtlich “falsche” oder auch nur laxe Wortgebrauch (niemand unterstellt Schiller, daß er Frauen nicht für Menschen hielt) etwas verbirgt, das in den unbewußten Etagen auch von Dichterhirnen sein Unwesen treibt – in diesem Falle die Einschätzung der Geschlechter im Patriarchat, also die Gleichsetzung von Mann (Bruder) und Mensch. Aber nicht nur deshalb ist das Operetten-Libretto an dieser Stelle revolutionär, fortschrittlicher jedenfalls als der vom fortschrittlichen Beethoven vertonte Text. Es enthält unüberhörbar eine Aufforderung zur (scheinbar?) inzestvermeidenden und deshallb (scheinbar?) sexvermeidenden Freundschaft zwischen Männern und Frauen.